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Historischer Klosterspeicher Alt Farpen

 

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Zuordnung Alt Farpen zum Kloster Doberan

Nachdem das ursprüglich um 1171 in Althof bei Doberan durch Mönche aus dem Zisterzienserkloster Amelungsborn gegründete Kloster durch einen heidnischen Überfall im Jahre 1179  zerstört worden ist, erfolgte 1186 die Neugründung des Klosters in Doberan. Althof blieb dem Kloster als die erste Grangie erhalten. Es gibt dort heute noch die Überreste einer Klosterscheune aus der Zeit um 1200 sowie eine Kapelle zu besichtigen. (Bilder der Klosterscheune finden Sie hier) Informationen zur Ausstattung und Geschichte des Doberaner Klosters und seiner Architektur erfahren Sie auf den Seiten des Doberaner Münsters. Die Zuordnung des Ortes Farpen als Grangie zum Kloster Doberan ist in Urkunden aus dem 12.Jh überliefert und deswegen zweifelsfrei möglich.

Bereits mit der Gründung des Klosters Doberan wurde Farpen (Ferben, Varpen, Virpen) dem Zisterzienserkloster vom Fürsten Borwin gestiftet. Diese Siftung soll bereits in einer Urkunde aus dem Jahr 1192 erstmals genannt worden sein. Da das Original dieser Urkunde aber nicht mehr existiert und die Echtheit der "Kopie" nicht bestätigt wird, ist dieses Datum nicht wirklich sicher. Sicher ist aber, dass Farpen bereits im Jahr 1209 zum Kloster gehörte, da es in einer Schutzurkunde (MUB 191) des Papst Innozenz III. als zum Kloster gehörend benannt wird. In dieser Urkunde wird ebenfalls Redentin, ein Ort in unmittelbarer Nachbarschaft genannt. Farpen war aber nur eine von 10 Grangien, die dem Kloster gehörten. Nach bisherigen Erkenntnissen war es aber nicht gerade der kleinste der Landwirtschaftshöfe. Auch der Ort Redentin in unmittelbarer Nachbarschaft ist in dieser Zeit von denen von Hanezagel an das Kloster Doberan gestiftet worden. Im Zusammenhang mit dem Ort Redentin ist das Redentiner Osterspiel zu nennen. Es soll das bedeutenste deutschsprachige Osterspiel des Mittelalters sein. In wie weit das Redentiner Osterspiel wirklich aus Redentin stammt ist zweifelhaft. Es gilt aber als sicher, dass es von einem Angehörigen des Doberaner Klosters geschrieben worden ist. Es wird deshalb auch oft vom Redentiner Kloster gesprochen. An die Stiftung der Orte Farpen und Redentin erinnert heute noch eine Tafel an einer der Innenwände im Doberander Münster. Die Inschrift lautet:

Stiftertafel

Hanenzagel und Berewin Geven uns Ferben und Redetin, Darvor schal en Gott gnedig sin.

Zum Geschlecht derer von Hanezagel soll an dieser Stelle auf eine sehr interessante Seite zur Ahnenforschung der Familie von Hahn in der die Vermutung geäußert wird, dass von den Hanenzagel Redentin oder Teile davon gestiftet worden seien. Auch der Verfasser jener Ahnengalerie berichtet über die Überlassung der Güter Varpen und Redentin an das Kloster Doberan bereits im Jahre 1192.

Der Ort Farpen als Grangie des Klosters Doberan

Es waren hauptsächlich die Grangien die zum ökonomisch wirtschaftlichen Erfolg der Zisterzienser beitrugen. Eine Grangie war ein landwirtschaftlicher Wirtschaftshof. Der Name ist eine Ableitung vom lateinischen Wort "Granum", was so viel wie Korn bedeutet. Ursprünglich war damit ein Getreidelager oder eine Getreidescheune gemeint. Auf diesen Grangien wurden durch das Kloster sogenannte Konversen (auch Laienbrüder genannt) eingestzt. Der Stand der Konversen ist im 11. Jh. eingeführt worden. Die Konversen sollten die Mönche von den Aufgaben ausserhalb der Klausur befreien. Der Leiter der Grangie der "magister graniae" war dem Wirtschaftsverwalter des Klosters dem "Cellerar" unterstellt. Für die Grangie Farpen sind aus dem 14. Jh. die Konversen Heinrich von Panzkow, Johann Kruse, Heine und Peter Lutken namentlich im Mecklenburger Urkundenbuch nachgewiesen.

In der frühen Zeit war die Nähe zu einem slawischen Handelsort von Vorteil. Man geht davon aus, dass es sich um das alte Rerik gehandelt haben könnte. Die Grangie Farpen bot dem Kloster später die Möglichkeit, Geschäftsbeziehungen zur nahe gelegenen Hansestadt Wismar aufzubauen. An Gebäuden aus der Zeit der Klosterzugehörigkeit existiert heute nur noch unser Speicher. Welchen Zweck der Backsteinbau mit seinen bis zu 1,10m dicken Wänden einst zu erfüllen hatte, ist leider nicht mehr nachvollziehbar. Der heute existierende Ausbau des Gebäudes ist nach einer dendrochronologischen Untersuchung der Eichenbalken über dem Kellergeschoss etwa um die Zeit zwischen 1568 und 1728 entstanden, also weit nach der Sekularisation des Klosters im Jahr 1552. Alle anderen Gebäude sind erheblich später errichtet worden. Das Archiv der Doberaner Klosters gilt leider als verschollen, so dass auch hier kaum neue Erkenntnisse zu erwarten sind.

Für weitere Informationen über die Geschichte, die Ausbreitung, die Güter und Grangien von der Gründung bis zur Aufhebung des Klosters Doberan ist die Schrift "Das Zisterzienserkloster Doberan im Mittelalter" von Sven Wichert sehr zu empfehlen. Das Buch ist im Lukas Verlag unter der Nr. ISBN 3-931836-34-7 erschienen.

Farpen nach der Klosterauflösung

Mit der Auflösung des Klosters Doberan im Jahr 1552 (Säkularisation) wurden deren kirchliche Güter durch den Landesfürsten in weltliche Güter umgewandelt. Von nun an wurde der Hof Farpen in den Archivarien unter der Bezeichnung "Domäne" geführt. Vermutlich war der Hof Farpen seit der Sekularisation ununterbrochen verpachtet. Leider können die Namen der Pächter nicht mehr nachgewiesen werden, da die Akten über Farpen durch einen Brand des Regierungsgebäudes am 1. Dezember 1865 vernichtet worden sind. Ab 1866 bis 1895 war der Hof Farpen (Alt Farpen) durch die Familie Baumann gepachtet.

Während des ersten Weltkrieges Anfang des 20. Jh. war dem Hof Alt Farpen neben der Nutzung zu landwirtschaflichen Zwecken, also dem Versorgungszweck des Militärs auch die Aufgabe der Pferdezucht für die Kavallerie übertragen worden. Durch diesen Umstand ging es dem Hof und den dort lebenden Menschen wirtschaftlich vergleichsweise gut. Nach Beendigung des 2. Weltkrieges ging der Hof Alt Farpen im Zuge der sozialistischen Bodenreform in die Hände von landarmen Bauern und Landarbeitern über. Nach 1949 gingen die einzelnen Parzellen im Zuge der Gründung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) in Staatsbesitz über und wurden durch die LPG bewirtschaftet.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde die LPG aufgelöst und deren Güter teilweise an deren Eigentümer zurückgeführt bzw. von der Treuhandliegenschaftsgesellschaft in Besitz genommen. Für einige Farpene kam es dadurch zu einer weiteren Enteignung in der Geschichte des Ortes.


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© by Olaf Reinike 2003 - 2009   -   letzte Änderung 06.05.2009